Einleitung
Auf der Halbinsel Samana dauert die touristische Hochsaison für Europäer nur wenige Monate im Jahr. Hauptsächlich von Dezember bis Mai, also im europäischen Winter und Frühling. Selbst in dieser Hauptreisezeit gibt es große Schwankungen bei der Gästezahl, was zum Teil in diesem Zeitraum mit dem Dominikanischen Binnentourismus an den verschiedenen Festtagen zu tun hat. Fulminanter Höhepunkt im Jahr ist Semana Santa, auf Deutsch – Ostern. Ostern ist in der Dominikanischen Republik ein Happening für alle. Wer es sich leisten kann, fährt mit Familie oder / und Freunden an die Traumstrände des Landes. Auf der Halbinsel Samana gibt es bekanntlich ein paar der schönsten Strände der Dominikanischen Republik. Entsprechend darum ist der Andrang. Nach Ostern ist die Hochsaison vorbei. Auf Samana ist es aber das ganze Jahr über schön, wenn nicht gerade ein Unwetter über die Halbinsel wegfegt.
Europäer möchten speziell im Winter der feuchten und kalten Witterung zuhause entfliehen. In den eigenen Breiten gibt es so gut wie keine Möglichkeiten dazu. Darum boomt in dieser Zeit der Ferntourismus. Man nimmt gerne 10 Flugstunden und mehr in kauf. Dafür will man dann Exotik, Palmen und Strand. Das ganze muss bezahlbar sein und in die vom Arbeitgeber vorgegeben Ferienzeit – Terminologie passen. Das wissen die Touristiker der grossen Reiseunternehmen und machen daraus ihre „massgeschneiderten“ Angebote. Der Einfachheit halber werden vom Kunden daraus die vermeintlichen Rosinen gepickt. Diese Art der Ferienplanung funktioniert heute weltweit nach demselben Muster. Die Menschen werden heute fremdbestimmt, ohne dass ihnen dies gross bewusst ist. Sie fügen sich in ihr Schicksal und machen für sich das Beste daraus. Deshalb ist Tourismus eine der profitabelsten Branchen im globalen Markt. Im gleichen Segment mischen unter anderem auch die Fluggesellschaften mit und profitieren vom gleichen Effekt. Erwähnenswert ist, dass sich speziell Drittwelt – und Schwellenländer auf diesen Kuhhandel mit den Multis einlassen. Versprechungen und spezielle Behandlung werden beiderseits gerne gemacht und besonders korrupte Politiker und deren Freunde in den entsprechenden Ländern leben sehr gut vom Ausverkauf ihrer Länder. Auch das bekommt der Pauschaltourist nicht mit, denn er ist die von allen umworbene Klientel. Und diese Art von Urlaub wird auch auf Samana in entsprechenden Anlagen bis ins kleinste Detail durchdacht, alle Eventualitäten werden ausgemerzt, damit der Gast glaubt, genau das bekommen zu haben, was ihm im Prospekt souffliert wurde. Die fast perfekte Urlaubsmaschine.
Nach einer diesjährigen sehr frühen und vor allem ruhigen Semana Santa 2008 ist Las Terrenas wieder zu seinen karibisch - gemütlichen Rhythmus zurückgekehrt. Es fällt mir auf, dass es auch jetzt noch einige Touristen vor Ort gibt. Was mir dabei ganz besonders auffällt, sind die vielen verschiedenfarbigen Plastik – Armbänder am Handgelenk der Gäste. Ein eindeutiges Zeichen, das diese Menschen in einem der großen All Inklusive Hotels untergekommen sind. Es sind Pauschaltouristen.
Viele wohlhabende Städter aus den Ballungsgebieten der Dominikanischen Republik haben Samana in den letzten Jahren ebenfalls als Freizeit – Lebensraum schätzen gelernt. Immer mehr lassen sich hier ihren noblen Zweitwohnsitz realisieren. Neben den neuen, grossen Hotels verändern diese zum Teil sehr grossen Überbauungen das Bild der Halbinsel mehr und mehr. Man erkennt das seit ein paar Jahren am ungebrochenen Bauboom auf der ganzen Halbinsel. Samana passt zudem als Destination perfekt in das neue touristische Leidbild der Dominikanischen Republik - „weg vom karibischen Billigtourismus im unteren Hotelbereich, stattdessen hin zum hochwertigen Qualitätstourismus in abgeschirmten Luxusressorts“.
Das Las Terrenas und ganz Samana einmal ein Paradies für Individualreisende und Aussteiger war, ist ein unumstößliches Fakt und darum stelle ich heute mit Wehmut fest, das dies schon eine ganze Weile nicht mehr so ist. So ist der Tourismus auf Samana einst entstanden. Las Terrenas war das abgelegene Fischerdorf, als welches zum Teil heute noch beschrieben wird. Die vielen Europäer (und immer mehr Amerikaner), die heute das ganze Jahr hier leben, sind zum großen Teil pensionierte oder wohlhabende Leute, oder einfach deren Freude, welche gerade hier auf Besuch sind. Es sind also keine Touristen. Aber sie bringen ihre Kaufkraft mit und auch ihre hohen Ansprüche von Zuhause. Für sie ist Samana noch ein Paradies, weil sie hier mehr für ihr Geld bekommen. Diese Menschen sind heute der finanzielle Motor und somit hochwillkommen.
Einst war Samana die größte Kokosplantage an der Nordküste der Dominikanischen Republik und somit eine riesige Monokultur. Kaffee, Kakao und Bananen waren die weiteren, typischen Produkte der örtlichen Landwirtschaft. Die Landwirtschaft verliert wegen der allgegenwärtigen Grundstücks – Spekulanten und Immobilienhaie immer mehr an lokaler Bedeutung und so manche Finca (Bauernhof) liegt bereits brach oder steht heute zum Verkauf. Das wirkt sich negativ, aber sehr nachhaltig auf die preisliche Entwicklung der ganzen Region aus. Schon heute klagen die einheimischen Menschen über die überteuerten Preise für Lebensmittel und Gebrauchsgüter des täglichen Lebens. Samana ist heute wegen seiner Lage teurer als der Rest des Landes. Fast alle Produkte müssen aus anderen Gegenden herangeschafft werden. Die Spritpreise explodieren wie überall auf der Welt auch in der Dominikanischen Republik. Das schlägt sich auf alle Preise nieder. Die Preise für Baumaterial sind für hiesige Verhältnisse bereits astronomisch hoch und kein Ende dieser Entwicklung ist in Sicht. Aber für ausländische Investoren ist es immer noch akzeptabel und bezahlbar. Darum ist der Bausektor der wahre wirtschaftliche Motor vor Ort. Das gleiche gilt für die Erschließung der Traumstrände zur Überbauung mit privaten Luxusvillen oder Villensiedlungen. Schon jetzt gibt es zu den berühmten Stränden bald keine klar ersichtlichen und freien Zugänge mehr. Weitere neue, noch größere Hotelanlagen und Freizeiteinrichtungen wie Golfplätze, Jachthäfen oder privaten Parks sind in Planung oder bereits im Bau.
Wegen der explodierenden Lebensmittelpreise kam es im Nachbarland Haiti bereits zu massiven Ausschreitungen und die Regierung wurde gestürzt. Ein Thema, das durch alle Medien ging. Die einen sagen, das sei der Lauf der Welt, andere nennen es schlicht Fortschritt und viele machen sich überhaupt keine Gedanken. Ich jedoch mache mir welche und arbeite mit wenigen Freunden an einem neuen Konzept, welches Lebensraum und Tourismus so gut es geht in Einklang bringt. Hier werden wir ihnen dieses Konzept vorstellen.